FAQ zu energiewirtschaftlichen Aspekten der Coronakrise für Unternehmen

Wie wirkt sich Corona bzw. die COVID-19-Pandemie energiewirtschaftlich auf Ihr Unternehmen aus? Was gilt es zu beachten? Unser FAQ klärt die wichtigsten Fragen.

Welche energiewirtschaftlichen Entscheidungen müssen Unternehmen im Zusammenhang mit der Coronakrise treffen?

Die Covid-19-Pandemie sorgt vielerorts für Unterbrechungen der Lieferketten und folglich für Produktionsrückgänge bei produzierenden Unternehmen, wie z. B. im Maschinenbau. Mitarbeiter können nicht zur Arbeit erscheinen, weil sie in Quarantäne sind, selbst infiziert wurden oder Ausgangsbeschränkungen herrschen.

In diesen Zeiten der Unsicherheit möchten wir Sie dabei unterstützen, die energiewirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu verstehen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Kosten soweit möglich zu beschränken.

Dazu haben wir die wichtigsten Fragen zu Energiethemen beantwortet. Dies betrifft unter anderem die Energiebeschaffung, Energiemanagementsysteme und Energieaudits als auch die EEG-Härtefallanträge des BAFA. Dieses FAQ werden wir ständig erweitern und aktualisieren – schauen Sie regelmäßig vorbei oder nutzen Sie unseren Update-Service.

FAQ

Welche Auswirkungen hat das Konjunkturpaket der Bundesregierung auf die EEG-Umlage??

Die Bundesregierung hat am 03.06.2020 ein milliardenschweres Konjunkturpaket verabschiedet. Damit sollen die Belastungen der Corona-Krise reduziert und die Wirtschaft wieder angekurbelt werden. Bestandteil des Pakets ist eine Absenkung der EEG-Umlage für die Jahre 2021 und 2022 mittels Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt. Die EEG-Umlage reduziert sich von aktuell 6,756 ct/kWh in 2020 auf

  • EEG-Umlage 2021: 6,5 ct/kWh
  • EEG-Umlage 2022: 6,0 ct/kWh

Quelle: Bundesfinanzministerium

Ist die Versorgungssicherheit bei Strom und Gas trotz Corona gewährleistet?

Nach Einschätzung von Energieversorgern und Netzbetreibern ist die Versorgungssicherheit für Strom und Erdgas auch während der Corona-Pandemie gewährleistet. Auch beim Stromeinkauf bzw. beim Gaseinkauf sind keine Einschränkungen durch Corona zu erwarten.

Als Betreiber kritischer Infrastrukturen verfügen diese Unternehmen über entsprechende Notfallpläne und führen regelmäßig Risikoanalysen durch.

Weitere Informationen sind auf der Seite des BDEW zu finden.

Wem muss ich einen Produktionsrückgang melden?

Durch die umfassenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind vielerorts Produktionsrückgänge und damit einhergehend eine sinkende Energienachfrage zu verzeichnen.

Um das Netz stabil zu halten, ist es für die Energielieferanten und Netzbetreiber wichtig, möglichst genaue Informationen zu der zukünftigen Entwicklung des Strom- oder Gasverbrauchs zu erhalten. Daher sind aktuell alle Unternehmen dazu angehalten, mögliche Verbrauchsänderungen, z. B. durch

  • Reduzierung der Produktionskapazität
  • Werkschließungen
  • Betriebsferien

an ihre Energielieferanten zu melden (dazu können Sie sogar vertraglich verpflichtet sein).

Mit diesen Informationen können die Energieversorger und Netzbetreiber die Situation besser einschätzen und falls notwendig entsprechende Maßnahmen zur Sicherung der Netzstabilität ergreifen.

Mein Vertrag beinhaltet Mengenbeschränkungen - was muss ich tun?

Viele Energielieferverträge beinhalten “Flexibilitätsrahmen”, also Toleranzregelungen zu Mehr- bzw. Mindermengen. Das bedeutet: Wenn ein bestimmtes Toleranzband (z. B. 80 / 120 %) über- oder unterschritten wird, können Zusatzkosten für Unternehmen anfallen.

Falls Unternehmen z. B. durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie eine deutliche Änderung der Strom- oder Gasabnahme zu verzeichnen haben, ist es möglich, dass diese teuren Regelungen greifen.

ECG empfiehlt: Kontaktieren Sie frühzeitig Ihre aktuellen Energielieferanten und loten Sie Lösungen aus, falls signifikante Änderungen in der Energieabnahme, z. B. durch Produktionsrückgänge, zu erwarten sind.

Welche Auswirkungen hat Corona auf die EEG-Antragsstellung?

Das BAFA hat bereits anerkannt, dass die Corona-Pandemie die Einhaltung der materiellen Ausschlussfrist (30.06.2020) unmöglich machen könnte. Das BAFA wertet diese Umstände als „höhere Gewalt“ und wird entsprechend Nachsicht walten lassen, wenn eine vollständige Antragstellung, insbesondere die Einreichung der fristrelevanten Unterlagen „Wirtschaftsprüfervermerk“ und „Zertifizierungsbescheinigung“, wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht ordnungsgemäß bis zum 30.06.2020 erfolgen kann (BAFA-Pressemitteilung vom 20.03.2020). Die Antragsstellung muss somit zum 30.06.2020 erfolgen, allerdings kann der Wirtschaftsprüfervermerk und die Zertifizierungsbescheinigung bis zum 30.11.2020 nachgereicht werden.

Betroffenen Unternehmen sind verpflichtet, die ordnungsgemäße Antragstellung unverzüglich nachzuholen. Bei Antragstellung ist dem BAFA mitzuteilen, warum die Auswirkungen der Coronakrise eine fristgerechte Antragstellung unmöglich machten.

ECG empfiehlt: Stellen Sie in jedem Falle den Antrag für das Begünstigungsjahr 2021 und laden Sie die verfügbaren Informationen im BAFA-Portal hoch. Weiterhin ist die Frist für die Antragsstellung zum 30.06.2020 unbedingt zu beachten. Der Wirtschaftsprüfervermerk und die Zertifizierungsbescheinigung können dann bis spätestens 30.11.2020 nachgereicht werden.

Weitere Informationen sind auf der Website der BAFA zu finden.

Kann ich meine geplanten Energieaudit Termine weiterhin einhalten?

ECG liegen Informationen von verschiedenen Zertifizierern vor, dass Energieaudit-Termine während der Corona-Pandemie weiterhin stattfinden können. Diese werden jedoch in den meisten Fällen mit möglichst geringer Vor-Ort-Begehung oder komplett ohne Vor-Ort-Termin durchgeführt. Die Zertifizierer haben hier individuelle Lösungen, die je nach Art des Unternehmens und des Audits unterschiedlich ausfallen können. ECG selbst führt Energieaudits aktuell wenn möglich Remote durch, um die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern zu schützen.

Auch das Verschieben von Audits ist möglich. Die Zertifizierer warnen jedoch, dass dies später zu einem entsprechenden Terminrückstau führen kann.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat in Bezug auf die Durchführung der Energieaudits angekündigt, dass die besonderen Umstände aufgrund von Corona berücksichtigt werden. Allerdings weist das BAFA daraufhin, dass die besonderen Umstände nur bis zum 28.02.2021 anerkannt werden. Auch Stichprobenkontrollen werden ab sofort wieder aufgenommen. Weitere Informationen sind auf der Seite des BAFA zu finden.

In jedem Fall sollten Unternehmen bei Bedarf Kontakt mit dem Zertifizierer aufnehmen um den Einzelfall zu klären.

Werden nicht fristgerecht durchgeführte Energieaudits sanktioniert?

Gemäß einem Schreiben welches der ECG vorliegt, plant das Bundesamt für Wirtschaft und  Ausfuhrkontrolle (BAFA) keine Sanktionen gegen Unternehmen zu erlassen, welche das Energieaudit aufgrund der Coronakrise nicht fristgerecht durchführen können: Die Coronakrise stellt aus Sicht des BMWi einen objektiven Hinderungsgrund zur fristgerechten Durchführung des Energieaudits dar. Die besonderen Regelungen gelten noch bis zum 28.02.2021.

Unternehmen müssen keine proaktive Meldung an das BAFA durchführen.

Quelle: BMWi

Was passiert, wenn ich die Fristen bei der Strompreiskompensation oder des Emissionshandel nicht einhalten kann?

Die DEHSt (Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt) wird bei Fristversäumnissen im Einzelfall die Umstände berücksichtigen, wenn diese nachweislich Pandemie-bedingt sind (Mailing vom 20.3.2020).

Weitere Informationen sind auf der Website der DEHST zu finden.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf meine Energiebeschaffung aus?

Durch die Corona-Pandemie sind die Energiepreise abgestürzt. Aktuell kann niemand abschätzen, wie sich die Märkte kurzfristig entwickeln werden, und ob die Talfahrt anhält.

ECG empfiehlt: Sofern Energielieferverträge für das laufende Jahr abgeschlossen sind, besteht kein akuter Handlungsbedarf für die Energiebeschaffung. Trotzdem können Sie die Marktentwicklung für die Folgejahre nutzen und eine Energieausschreibung veranlassen. Das Risiko, sich beim Bedarf zu verschätzen ist überschaubar und kann durch verschiedene Maßnahmen minimiert werden.

Unsere Mitarbeiter stehen unter digital@ecg-kehl.de für Rückfragen und Empfehlungen zu möglichen Handlungsoptionen zur Verfügung.

Welche Auswirkungen hat das Corona-Maßnahmenpaket der Bundesregierung auf die Energiesteuern?

Das Maßnahmenpaket „Ein Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen“ weist die Zollverwaltung an, den Steuerpflichtigen – z. B. bei der Energiesteuer – in entsprechender Art und Weise entgegenzukommen. Daraus lassen sich derzeit allerdings keine konkreten Sachverhalte ableiten.

ECG empfiehlt: Unternehmen, die Maßnahmen zur Steigerung der Liquidität einleiten möchten, ihre Rückerstattungsanträge zur Strom- und Energiesteuer, quartalsweise statt jährlich zu stellen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Verschieben sich Testierungsfristen aufgrund der Corona-Pandemie?

Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben auf ihrer gemeinsamen Plattform Informationen zum Umgang mit der Corona-Pandemie bekanntgegeben.

Die bestehenden Meldepflichten in Bezug auf EEG, KWK-G, StromNEV bleiben bestehen und müssen eingehalten werden. Die Meldungen haben in der gewohnten elektronischen Form zu erfolgen.

In Bezug auf die Vorlage der Wirtschaftsprüferbescheinigungen wird eine Verlängerung der Frist um ein Jahr – also zur Vorlage zum 31.05. bzw. 31.07.2021 – eingeräumt. Dies vor dem Hintergrund der besonderen Umstände aufgrund von COVID-19.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Übertragungsnetzbetreiber mit der Meldung vom 31.03.2020.

Welche Auswirkungen haben Produktionsumstellungen auf mein reduziertes Netzentgelt?

Auf Grund der Umstellungen in den Produktionsabläufen kann bei Unternehmen, die bisher den Sonderfall der intensiven Netznutzung gemäß §19 Absatz 2 Satz 2 bis 4 StromNEV genutzt haben, die Situation entstehen, dass die Voraussetzungen zur Nutzung dieses Sondertatbestands im Kalenderjahr 2020 nicht mehr erfüllt werden.

Gemäß der Änderung der StromNEV vom 09.10.2020 wird in Artikel 32 Absatz 10 StromNEV folgendes geregelt: Sofern für das Jahr 2019 eine rechtmäßige Vereinbarung mit dem Netzbetreiber über ein individuelles Netzentgelt gemäß §19 Absatz 2 Satz 2 bis 4 und die Voraussetzungen im Jahr 2019 erfüllt wurden, so darf für die Erfüllung der Voraussetzungen im Kalenderjahr 2020 auf das Kalenderjahr 2019 abgestellt werden.

Was ist bezüglich der Eichfristen meiner Energiezähler zu beachten?

Unternehmen, welche geeichte Energiezähler einsetzen,  z. B. für abzugrenzende Energiemengen die an Dritte weitergeleitet werden, müssen diese ggf. mess- und eichrechtskonform abgrenzen. Die Eichaufsichtsbehörden haben hierzu eine einheitliche Regelung veröffentlicht, welche sich auf die Verlängerung der Eichfrist und den turnusmäßigen Zählerwechsel beziehen.

Die Regelung besagt, dass Zähler, deren Eichfristende am 31.12.2020 ausläuft, die Eichfrist bis zum 30.06.2021 überschreiten dürfen. Bei Zählern, deren Eichfrist am 31.12.2020 enden würde und die sich im Stichprobenverfahren zur Verlängerung der Eichfrist befinden, kann der Abschluss des Verfahrens bis 30.06.2021 erfolgen (unter Beachtung der jeweiligen Antragsregelungen). Die erforderlichen Detailregelungen sind mit den zuständigen Eichbehörden zu klären

ECG empfiehlt: Sofern Sie Zähler mit Eichfristende bis 31.12.2020 betreiben, sollten Sie, aufgrund der energiewirtschaftlichen Relevanz der Entlastungstatbestände, unbedingt mit den zuständigen Eichbehörden Kontakt aufzunehmen und insbesondere die eichrechtskonforme Abgrenzung der Sondertatbestände zum 01.01.2021 klären.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Was bedeutet die Mehrwertsteuerreduzierung für meine SLP-Abnahmstellen?

Die Bundesregierung hat beschlossen die Mehrwertsteuer ab dem 01.07.2020 für sechs Monate von 19 % auf 16 % zu reduzieren. Für Unternehmen, welche über nicht leistungsgemessene Abnahmestellen (SLP) verfügen, kann dies Auswirkungen auf die jährliche Energieabrechnung haben. Dies liegt darin begründet, dass der Verbrauch der Abnahmestelle in der Regel jährlich abgelesen wird und daher von den Lieferanten nicht für die sechs Monate (01.07.-31.12.2020) – für die korrekte Berechnung der Mehrwehrsteuer – abgegrenzt werden kann. Gegebenfalls führt dies dazu, dass die Strom- bzw. Erdgaskosten für diesen Zeitraum nicht korrekt abgerechnet werden.

ECG empfiehlt: Lesen Sie zum 30.06./01.07.2020 den Zählerstand Ihrer nicht leistungsgemessenen Zähler ab und teilen Sie dies Ihrem aktuellen Energielieferanten mit. Somit wird eine korrekte Abgrenzung des Energieverbrauchs sichergestellt und der Lieferant muss nicht mit Schätzungen arbeiten.

Alle Angaben sind ohne Gewähr und unter Ausschluss jeglicher Haftung.

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