Weiterleitung an Dritte

Warum muss weitergeleitete Energie gemessen werden und welche Anforderungen bestehen an ein Messkonzept?

Verpflichtung zur Erstellung eines Messkonzepte und zur Abgrenzung von Drittmengen

Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass sie Energie an Dritte weiterleiten: So zählt beispielsweise eine Kantine, welche von einem Dienstleister betrieben wird, als Energieverbraucher, der abgegrenzt werden muss. Dies schreibt das Energiesammelgesetz vor und verpflichtet Unternehmen, an Drittverbraucher weitergeleitete Strommengen zu messen.

Das betrifft alle Unternehmen, die Energie an Dritte weiterleiten und entweder mehr als 1.000.000 kWh pro Jahr verbrauchen oder eine Eigenerzeugungsanlage betreiben. Hintergrund sind beispielsweise auch Vergünstigungen bei der Stromsteuer, die viele Unternehmen in Anspruch nehmen. Diese gelten aber nur für selbstverbrauchte Mengen und nicht für Drittmengen.

Der Einbau der Messeinrichtungen muss bis spätestens 31.12.2020 fertiggestellt sein.

Steuern und Abgaben

Wen kann Weiterleitung an Dritte betreffen?

  • Unternehmen mit reduzierter EEG-Umlage auf eigenerzeugte Mengen
    (privilegierte Eigenerzeugung)
  • Unternehmen mit reduzierten Stromsteuersätzen
  • Stromverbraucher mit mehr als 1.000.000 kWh Abnahme pro Jahr
  • Unternehmen, die der besonderen Ausgleichsregelung (BesAR) unterliegen
  • Inanspruchnehmer von intensiver oder atypischer Netznutzung

FAQ - Weiterleitung an Dritte

Was ist eine "Weiterleitung an Dritte"?

Eine Weiterleitung an Dritte findet statt, wenn Energie an andere juristische oder private Personen weitergeleitet wird.

Beispiele: Getränkeautomat, KWK-Anlage im Contracting, geleaste Maschinen, externe Kantinenbetreiber

Ist mein Unternehmen von der Abgrenzung von Drittmengen betroffen?

Sie müssen sich mit der Abgrenzung von Drittmengen auseinandersetzen, wenn Sie

  • Stromsteuererstattungen in Anspruch nehmen,
  • der besonderen Ausgleichsregelung EEG unterliegen,
  • individuelle Netzentgelte wahrnehmen,
  • über 1.000.000 kWh verbrauchen oder
  • eine begünstigte Eigenerzeugungsanlage betreiben.

Welche Bereiche meines Unternehmens betrifft dies?

In jedem Unternehmensbereich in dem andere juristische Personen zu finden sind kann begünstigter Strom an einen Dritten weitergeleitet werden, der kein Anrecht auf die Begünstigung hat. Dazu zählen u.a. gewerbliche Getränkeautomaten, fremdbetriebene Kantinen und andere Dienstleister. Diese Liste lässt sich beliebig fortführen.

Was muss ich tun, um weiterhin von der reduzierten Stromsteuer zu profitieren?

Bei der Stromsteuerantragstellung zum Beispiel nach §9b StromStG ist die Weiterleitungsmenge an Dritte anzugeben und abzugrenzen von den selbstverbrauchten Mengen. Um weiterhin von den Stromsteuerrückerstattungen zu profitieren, müssen Dritte identifiziert werden und in der Antragstellung berücksichtigt werden.

Ich nutze die EEG-Härtefallregelung, wie bin ich betroffen?

Bei der Antragstellung der besonderen Ausgleichsregelung EEG beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) muss die an Dritte weitergeleitete Menge nach §62b EEG beziffert und von einem Wirtschaftsprüfer bestätigt werden.

Ich habe Eigenerzeugungsanlagen im Einsatz, wie gehe ich damit um?

Wenn Sie eine privilegierte Stromeigenerzeugungsanlage (z.B. BHKW, PV-Anlage, etc.) betreiben, müssen Sie sicherstellen, dass zu keinem Zeitpunkt Eigenerzeugungsmengen durch Dritte verbraucht werden („Feststellung der Zeitgleichheit“). Der Nachweis hat durch eine registrierende Leistungsmessung (RLM) oder durch eine Zählerstandsgangmessung an der Eigenerzeugungsanlage und Ihren Drittverbrauchern zu erfolgen.

Ich nutze individuelle Netzentgelte, wie gehe ich am besten vor?

Die Nutzung von individuellen Netzentgelten nach §19 Abs. 2 StromNEV bezieht sich ausschließlich auf das Abnahmeverhalten des Eigenverbrauches. Eine Weiterleitung an Dritte muss daher beziffert werden.

Was passiert, wenn ich den Sachverhalt nicht weiter beachte?

Die Inanspruchnahme von Begünstigungen für nicht privilegierte Letztverbraucher ist rechtswidrig. Eine Unterschlagung der weitergeleiteten Mengen kann zu Nachzahlungen und Strafen führen. In besonders schweren Fällen drohen Rückforderungen der gesamten Begünstigungen der letzten fünf Jahren.

Was kann ich tun, um mich rechtssicher aufzustellen?

Eine Identifikation der Drittverbraucher im Unternehmen und eine Abgrenzung der an diese weitergeleiteten Strommengen durch ein Messkonzept sind unabdingbar für den rechtskonformen Umgang mit diesem Sachverhalt.

Aufbauend auf das Messkonzept besteht ggf. der Bedarf für eine Installation von Mess- und Zähltechnik an relevanten Energieverbrauchern und Energieerzeugern.

Was ist ein Messkonzept?

Ein Messkonzept muss die vollständige Identifikation der Drittverbraucher, eine Auflistung der vorhandenen Messmittel und die für die Erfassung verantwortlichen Personen enthalten.

Die technische Umsetzung des Messkonzepts – also die Installation von Mess- und Zähltechnik – erfolgt durch unternehmensinterne oder externe Fachkräfte.

Was muss ich messen und was nicht?

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat einen Leitfaden veröffentlicht aus dem hervorgeht, welche Letzverbraucher gemessen werden müssen und welche nicht.

Den Leitfaden finden Sie auf der Seite der BNetzA. Gerne unterstützen wir Sie bei der Anwendung der Empfehlungen. Sprechen Sie uns an!

Welche Fördermöglichkeiten gibt es bei Messkonzepten und deren Umsetzung?

Die Investition in Mess- und Zählertechnik sowie der Abbildung der Daten in geeigneter Software kann bspw. durch das Modul 3 im Bundesförderprogramm für Energieeffizienz in der Wirtschaft über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert werden.

Die Energieexperten der ECG wissen wie Fördermöglichkeiten optimal in Messkonzept-Projekte integriert werden können um Synergieeffekte zu erzielen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Haben Sie Fragen? Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Rufen Sie uns an 0800 – 183 3 183 oder schreiben Sie uns!

Ihr Ansprechpartner für Fragen zur Weiterleitung von Energie an Dritte

Daniel Krüger,
Energieberater

e-Mail: digital@ecg-kehl.de
Tel. 0800 – 183 3 183

ECG bietet Ihnen einen methodischen Lösungsansatz

  • 1

    kostenloses Erstgespräch

    Ermittlung der Notwendigkeit einer eichrechtskonformen Messung; Erfassung der Begünstigungen

  • 2

    Erstellung eines Messkonzepts

    Vor-Ort-Identifikation der Dritten; Ermittlung geeigneter Messeinrichtungen; Erstellung Messkonzeptbericht; Empfehlung für weiteres Vorgehen

  • 3

    Begleitung der Umsetzung

    Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Hard- und Softwarelieferanten; ggf. Unterstützung bei der Wiederherstellung von Rechtskonformität

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